Ärger ohne Ende – Lufthansa droht ein gewaltiger Imageverlust

Eine Strafanzeige wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Die hat Lufthansa-Chef Christoph Franz am Hals. Neun seiner Mitarbeiter ebenfalls. Und das alles wegen einer angeblich internen Email. 

von Markus Klamert

 

Derzufolge soll Deutschlands größte Fluggesellschaft die heftig umstrittenen Änderungen am Bonusprogramm „Miles & More“ – vorsätzlich – recht kurzfristig auf den Weg gebracht haben. Damit die 21 Millionen Top-Kunden kaum noch reagieren konnten. Sollte die Email echt sein – das prüft derzeit die Staatsanwaltschaft Köln -, dann droht der Lufthansa ein gewaltiger Imageschaden.

 

Den hat sie eigentlich ohnehin schon. Denn die zum Jahreswechsel 2010/2011 erfolgte Kürzung bei „Miles & More“, die dazu führte, dass Kunden bis zu 20 Prozent mehr Meilen sammeln müssen, um einen Interkontinentalflug gratis zu bekommen, sollte offenbar möglichst sang- und klanglos erfolgen. Rechtzeitige und außerdem umfassende Informationen über die Änderungen gab es nicht. Möglicherweise nach dem Motto, die Vielflieger – häufig quer durch die Welt reisende Geschäftsleute – sind so busy, dass sie das nicht merken.

 

Wobei diese Kalkulation nicht aufging. Es war der Hamburger IT-Professor und Vielflieger Tobias Eggendorfer, der der Lufthansa einen Strich durch die Rechnung machte. Indem er die Vielflieger-Gemeinde gewaltig aufrüttelte. Über seinen Essener Anwalt Christian Stratmann reichte Eggendorfer, der einen Blog namens Meilenschwund betreibt, Klage ein und siegte vor dem Landgericht Köln. Mindestens vier Monate vorher hätte die Lufthansa die Änderungen bei Miles & More ankündigen müssen, urteilte das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Bernhard Offermann (Az: 32 O 317/11).

 

Die Lufthansa gibt sich nicht geschlagen und hat inzwischen Berufung beim Oberlandesgericht Köln eingelegt. „Uns geht es um Rechtssicherheit, denn die ist dringend notwendig für ein Kundenbindungsprogramm in dieser Größe“, wird Harald Deprosse, Leiter von „Miles & More“, zitiert.

 

Derweil ist der Frust in der Vielflieger-Gemeinde groß. Denn viele von den langjährigen Lufthansa-Kunden wollen es Eggendorfer gleichtun und ebenfalls gegen die Meilenentwertung klagen. Der Münchner Rechtsanwalt Markus Klamert plant dem Vernehmen nach ein großes Verfahren gegen die Airline wegen ihres Meilenprogramms. Große Rechtsschutzversicherungen haben sich angeblich bereiterklärt, etwaige Kosten zu übernehmen.

Eine recht üble Angelegenheit für die Lufthansa. Tja, und dann noch diese Strafanzeige wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Die hat übrigens Eggendorfer gestellt. Zuvor war ihm besagte interne Email zugespielt worden. Darin sollen Lufthansa-Marketingverantwortliche Ende Oktober 2010 an Kollegen geschrieben haben: „Die Kommunikation an die Kunden erfolgt ab dem 20. Dezember, nicht zu früh, damit die Kunden nicht vorab noch viele Tickets mit den günstigeren Meilenwerten buchen.“ Der 20. Dezember 2010: Das war der Montag vor Heiligabend. Terminplanungen sind in diesen Tagen gemeinhin schwierig, weil viele nicht arbeiten und sich stattdessen den Weihnachtsvorbereitungen widmen.

 

Nun steht also der Verdacht im Raum, dass „bewusst und vorsätzlich“ Informationen über die neuen Regelungen zurückgehalten worden seien. Würde sich dies bestätigen, dann sollten offenbar Kunden erst kurz vor dem 1. Januar 2011 von den Neuerungen erfahren.

 

Jetzt geht es darum herauszufinden, ob die Email echt ist. Diesen Rückschluss ließen Namen, Funktionen sowie Schriftbild zu, heißt es von Seiten Eggendorfer.

 

Obendrein droht der Lufthansa auch noch Zoff mit ihren Aktionären. Denn bei der Hauptversammlung am 8. Mai 2012 in Köln dürfte es kritische Fragen zu „Miles & More“ hageln. Der Grund: Die Fluggesellschaft musste in ihrer Bilanz für das Geschäftsjahr 2010 rund 1,6 Milliarden Euro für „Miles & More“ an Rückstellungen bilden. Satte 198 Milliarden noch nicht eingelöste Meilen haben sich angehäuft.

 

 

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